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Kundgebung 8.Mai - MAZ Artikel

Zum 8. Mai in Brück: Kritik und Appell vom Historiker

50 vorwiegend junge Leute folgen dem Aufruf zur Kundgebung am Tag der Befreiung. Referent Harry Waibel beklagt dort die Arbeit der Justiz. Denn er sieht noch Aufklärungsbedarf im Todesfall Diogo.

Versammlung zum Tag der Befreiung in der Straße des Friedens in Brück. Referent war Historiker Harry Waibel.

Versammlung zum Tag der Befreiung in der Straße des Friedens in Brück. Referent war Historiker Harry Waibel. Quelle: René Gaffron Brück

Die etablierten Parteien haben einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass das Vertrauen in die repräsentative parlamentarische Demokratie schwindet. Das hat Harry Waibel festgestellt. Gleichwohl appelliert der Publizist nicht zuletzt mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl am 26. September, dass die Lücken in dem System nicht mit Positionen von Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus besetzt werden.

Der Historiker war Gast einer Kundgebung in der Straße des Friedens in Brück. Etwa 50 junge Leute folgten dem Aufruf der Initiative „Akademie der Küste/warum nicht heute e. V.“. Anlass bot die Erinnerung an den 8. Mai 1945, den Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus.

Organisatorin Anne Kollien hatte zu der Veranstaltung im Brücker Zentrum eingeladen.

Organisatorin Anne Kollien hatte zu der Veranstaltung im Brücker Zentrum eingeladen. Quelle: René Gaffron

„Der Jahrestag ist Gelegenheit, die Geschichte und die Perspektiven zu beleuchten, aber auch klar Haltung zu beziehen“, sagt Organisatorin Anne Kollien. Immerhin hat die Alternative für Deutschland im vergangenen Jahr im Planestädtchen einen Ortsverband gegründet.

Politische Stadtspitze anwesend

Bürgermeister Matthias Schimanowski (Pro Brück) und Stellvertreter Michael Klenke (SPD) waren zugegen. Dass sich die Brücker mit lokalen Ereignissen – etwa den Brandanschlag auf den Döner-Imbiss in den 90ern - auseinandersetzen, liege auf der Hand, so der Vize-Bürgermeister. Für ihn war das Ziel der Veranstaltung deshalb nicht so richtig klar.

50 Teilnehmer hörten dem Historiker Harry Waibel zu. .

50 Teilnehmer hörten dem Historiker Harry Waibel zu. . Quelle: René Gaffron

Der Referent hob bei seinem Vortrag auf das Versagen der DDR beim verordneten Antifaschismus ab, um das jetzige seiner Ausführung nach überproportional in Ostdeutschland bestehende Problem des Fremdenhasses zu begründen,. So rief er wenigstens etwas Widerspruch hervor. Aber er hatte auch erklärt, dass in der Bundesrepublik die Aufarbeitung der Nazi-Diktatur alles andere als erfolgreich gewesen sei. Darüber hinaus kam keine Debatte zustande, denn in die politische Ausrichtung der Teilnehmer bot augenscheinlich keinen Platz für Kontroverse.

Fragen im Fall Diogo offen

Indes nutzte Harry Waibel den Auftritt zur Kritik an der Arbeit der Staatsanwaltschaft Potsdam. Denn sie hatte im März die Ermittlungen im Fall des Todes von Manuel Diogo eingestellt. Teile des Leichnams waren 1986 tot auf den Gleisen nah dem Bahnhof Borne gefunden worden. Die Ermittler hätten längst noch nicht die Zeugen – allen voran die Kollegen und den damaligen mosambikanischen Botschafter in der DDR – vernommen.

Nach Ansicht von Harry Waibel, der viele Akten dazu eingesehen hat, gibt sich die Behörde mit der amtlichen Version vom Unfalltod des angetrunkenen mosambikanischen Gastarbeiters zufrieden statt eine verheimlichte rassistische Straftat von damals aufzuklären. Jedoch kann der Fall immer wieder aufgenommen werden, denn Mord verjährt nicht.

Von René Gaffron